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21 Einführung

Published onJul 01, 2018
21 Einführung
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21 Einführung


Leith Greenslade, MPP, MBA

Nationale und internationale Behörden, unterstützt durch ein weitreichendes Netzwerk von Nichtregierungsorganisationen, Stiftungen und akademischen Einrichtungen, bemühen sich seit Jahrzehnten um eine Steigerung der Stillraten. Mit den bisherigen Strategien und Programmen ist es jedoch nicht gelungen, die gesundheitspolitischen Ziele zu erreichen. Nur 44% aller Babys werden innerhalb von 1 Stunde nach der Geburt erstmals zum Stillen angelegt, und nur 40% der Babys – also lediglich 2 von 5 Säuglingen – werden in den ersten 6 Monaten ausschließlich gestillt. Das globale Ziel liegt hier jedoch bei mindestens 50%.

Um den Erfolg von Stillförderprogrammen sicherzustellen, müssen zahlreiche ineinander greifende Faktoren berücksichtigt werden. Es wurden zwar zahlreiche Initiativen zur Stillförderung innerhalb von Krankenhäusern und gemeinwesenbasiert lanciert, doch handelte es sich oftmals um kleine, dezentral durchgeführte Projekte. Erfolgreiche Stillförderprogramme erfordern eine umfassende Koordination der verschiedenen Aktivitäten zum Schutz, zur Förderung und Unterstützung des Stillens. Zudem muss Implementierungsforschung betrieben werden, um effektive Programme zu entwickeln und später eindeutig ermitteln zu können, ob diese die gewünschte Wirkung erzielen. Und es ist wichtig, sich ein klares Bild vom Verhalten aller Stakeholder und ihren komplexen Wechselbeziehungen zu machen.

In Teil IV (Kapitel 22) erläutert Prof. Rafael Pérez-Escamilla, Professor of Epidemiology & Public Health an der Yale School of Public Health, welche Schlüsselkomponenten ein Land benötigt, um Stillförderprogramme effektiv ausweiten zu können. Hierzu beschreibt er zunächst die Ziele der von der WHO herausgegebenen Globalen Strategie zur Säuglings- und Kleinkindernährung und anschließend die verschiedenen Rahmenkonzepte, die Regierende und EntscheidungsträgerInnen eines Landes nutzen können, um diese Ziele zu erreichen. Das Konzept der komplexen adaptiven Systeme (Complex Adaptive Systems, CAS) ist z. B. ein multidisziplinärer Ansatz, um die Wechselbeziehungen in mehrschichtigen, nichtlinearen Systemen nachvollziehen zu können. Beispiele für erfolgreiche CAS-Konzepte sind das AIDED-Modell (Assess, Innovate, Develop, Engage and Devolve) sowie das speziell auf das Stillen bezogene Zahnradmodell BFGM (Breastfeeding Gear Model). Das BFGM wird als innovatives und kritisches Modell für die Ausweitung der Stillförderung ebenso behandelt wie eine Reihe von Indikatoren, mit denen sich der Erfolg messen und der Scaling-up-Prozess unterstützen lässt.

Das letzte Kapitel dieses Buches (Kapitel 23) geht eine große und seit Jahrzehnten vernachlässigte Herausforderung umfassend an, nämlich die bislang uneinheitlich verwendete Terminologie rund um das Thema Stillen und Laktation. Prof. em. Peter Hartmann, Senior Honorary Research Fellow an der University of Western Australia, und Melinda Boss, Leiterin eines multidisziplinären Teams zur Entwicklung evidenzbasierter Protokolle, haben ein detailliertes, wissenschaftlich fundiertes Glossar von Fachtermini zum Thema Stillen und Laktation erstellt, um Konsens im Hinblick auf die Verwendung von häufig gebrauchten Fachbegriffen herzustellen. Das Glossar wurde von renommierten ProfessorInnen und führenden WissenschaftlerInnen auf dem Gebiet der menschlichen Laktation überprüft. Dieses Glossar ist Teil eines größeren Projekts, der Entwicklung des Online-Wörterbuchs „LactaPedia“ (www.lactapedia.com, Anm. d. Hrsg.). Dieses soll Fachpersonal im Gesundheitswesen, ForscherInnen und Müttern zur Verfügung stehen, um ein umfassendes Verständnis der Terminologie im Bereich Stillen und Laktation zu gewährleisten.

Länder, die diese neuen Instrumente konsequent einsetzen und die Entwicklung weiterer Innovationen fördern, sind gut positioniert, um vom Nutzen hoher und nachhaltiger Stillraten zu profitieren. Es stimmt zuversichtlich für die Zukunft, dass sich weltweit zunehmend die Erkenntnis durchsetzt, dass neue Ansätze erforderlich sind, um Müttern in den kommenden Jahrzehnten eine echte Entscheidung für das Stillen zu ermöglichen.

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